Intelligente Stromnetze bergen Risiken
April 9th 2009 12:35 pm
Die sogenannten “Smart Grid” – Netzsysteme, die derzeit weltweit aufgebaut werden, sind noch sehr risikobehaftet. Die USA haben dies gerade am eigenen Leib zu spüren bekommen.
Nach Informationen des “Wall Street Journal” habe es in der vergangenen Zeit mehrfach Hackerangriffe auf die Schaltzentralen einiger Stromversorger gegeben. Dabei hätten die Cyberkriminellen bösartige Programme in den computergesteuerten Anlagen hinterlassen, die einen Kollaps des Netzwerkes hätten verursachen können. Es habe jedoch keinen aktiven Eingriff in die Stromversorgung und infolgedessen auch keinerlei mutwillig herbeigeführte Stromausfälle gegeben. Dennoch sind die amerikanische Geheimdienste beunruhigt. Sie vermuten Späher aus Russland und China hinter den Eingriffen, die das Stromnetz entschlüsseln wollen. Im Fall einer Krise oder einer kriegerischen Auseinandersetzung könnte dann das Stromnetz der USA lahmgelegt werden, so die Befürchtung.
Wenig Schutz vor Hackern
Tatsächlich bestätigt eine Studie des Sicherheitsunternehmens “IO Active” die Risiken der neuen, modernen Leitungssysteme, wie sie zurzeit außer in den USA auch in Kanada, Italien und auch Oberösterreich aufgebaut werden. Diese “Smart Grid” – Netze könnten zwar gleichzeitig Strom und Daten übertragen und so eine effektive Verbrauchsüberprüfung und Stromverteilung unterstützen, beinhalteten aber ein erhebliches Manko: Durch die Datenübertragung seien die Netze vor äußeren Einflüsse nicht ausreichend geschützt, so die Experten. Ein Hacker könne ohne allzu großen Aufwand über die Endgeräte der Kunden zur Versorgerzentrale vordringen und von dort aus die Stromversorgung großer Areale lahmlegen.
Aufgrund dieser Risiken empfiehlt die Institution vorerst, den Ausbau der “Smart Grid” – Netze zu stoppen, bis es bessere Sicherheitsstandards gebe.
Deutsche Verbraucher sind unterdessen zwar noch nicht direkt von den Gefahren betroffen, da die intelligenten Leitungen hierzulande noch nicht im Einsatz sind. Jedoch wird sich auch Deutschland angesichts dezentralisierter Stromgewinnung und -Einspeisung langfristig auf neue Technologien einlassen müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Sicherheitslücken bis dahin geschlossen werden können.