Kunden zahlen für Fehlspekulationen
April 27th 2009 11:06 am
Die Strompreise an der Leipziger Strombörse EEX sind in letzter Zeit stark gefallen. Gleichzeitig erhöhen die Anbieter stetig die Endverbraucherpreise – ein Grund hierfür sind Termingeschäfte.
Die steigenden Strompreise für Privathaushalte werden meist auf den noch immer nicht ausreichend ausgeprägten Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt zurückgeführt. Nun werden die Anbieter gar der Manipulation beschuldigt (siehe Eintrag vom 21.04.09). Die hohen Strompreise haben bei einigen Anbietern jedoch auch noch andere, wirtschaftlich nachvollziehbare Gründe. Denn der Strom für Privathaushalte wird oft in einer auf dem Energiemarkt durchaus gängigen Praxis erstanden: Per Termingeschäft. Die Anbieter und Versorger, oft sind es Stadtwerke, bezahlen dem Lieferanten im Voraus für den Strom, den er zu einem festgelegten Termin in der Zukunft liefern wird. Der Strom wird also gewissermaßen gekauft, lange bevor er überhaupt an die Kunden weitergegeben wird. Der Vorteil hierbei ergibt sich, wenn der Strompreis nach dem Geschäft ansteigt – in diesem Fall wäre der Anbieter und damit auch der Kunde den höheren Preisen aus dem Weg gegangen.
Risiken sozialisiert
Aber es kann logischerweise auch das genaue Gegenteil eintreten – wie letztes Jahr geschehen. Mitte des Jahres stand der Öl- und damit auch der Strompreis auf einem Rekordhoch. Für ein Termingeschäft eigentlich ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt – und doch kauften viele deutsche Anbieter gerade dann größere Mengen Strom. Der Grund für diese Entscheidung waren die Prognosen einiger Analysten und Experten, der Ölpreis werde noch viel weiter ansteigen. Dies war jedoch mitnichten der Fall – der Ölpreis riss den Strompreis mit in eine Talfahrt.
Die durch diese Fehlspekulationen entstandenen finanziellen Nachteile für den Anbieter, der mit einem späteren Kauf sehr viel hätte sparen können, werden nun auf die Kunden abgewälzt. Sie zahlen nun praktisch den Strompreis von letztem Jahr, der eben viel höher war als es der momentane ist. Diese Sozialisierung der Risiken ist für die Anbieter deshalb noch so leicht möglich, da der Wettbewerb noch nicht stark genug sei, um dies im Zuge eines echten Preiskampfes zu verhindern, äußerten sich Experten gegenüber der “Welt”. Die Bundesnetzagentur ruft in diesem Zusammenhang wiederholt dazu auf, bei Unzufriedenheit den Stromanbieter eigenständig zu wechseln. So kann der Kunde nicht nur oft hunderte Euro einsparen, sondern gleichzeitig den Wettbewerb und Markt mit beleben. Nur so können die Kunden es vermeiden, als Sündenböcke für die wirtschaftlichen Fehler der Stromunternehmen herhalten zu müssen.