Personalumbau bei E.ON

Mai 18th 2009 08:34 am

Der Energieriese und Branchenführer E.ON steckt mitten in einer strukturellen Umbruchsphase. Nach dem Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Bernotat wird nun der Strom- und Gasvertrieb faktisch gebündelt.

Bereits im vergangenen Jahr wurden die Absichten des größten deutschen Energieversorgers zur Straffung der Unternehmensstrukturen deutlich. Der Konzern soll für die Zukunft und gegen die wachsende Zahl von Konkurrenzanbietern gerüstet werden. Nun entschied sich die Führungsriege, die Vertriebskoordination der beiden großen Tochtergesellschaften E.ON Energie und E.ON Ruhrgas in einem Posten zusammenzufassen. Diese Verantwortung wird Stefan Vogg übertragen, der bislang Chief Executive Officer (CEO) der “E.ON Vertrieb Deutschland GmbH” und dementsprechend für den hiesigen Markt zuständig war. Durch den neuen Posten übernimmt er nun internationale Verantwortung: Sowohl E.ON Energie als auch Ruhrgas beliefern Millionen von privaten, geschäftlichen und industriellen Kunden in ganz Europa mit Strom und/oder Gas. Insider und Experten sehen in Vogg den richtigen Mann für den Job: Er sei in der Lage, die Aufgabe angemessen zu erfüllen. Das “Handelsblatt” schätzt die Entscheidung zur Vertriebsbündelung dabei zwar als revolutionär ein – die nun eingeläutete “neue Ära” sei aber auch “heikel”. Das liege vor allem an der oft mangelnden Bereitschaft vor allem von der Ruhrgas-Tochter, Kompetenzen und Verantwortung abzugeben.

Chefsessel wird neu besetzt

Zusätzlich zu diesem Umbruch in der Vertriebsstruktur steht im nächsten Jahr auch ein Wechsel in der obersten Führungsetage an. Wulf Hinrich Bernotat, der den Konzern jahrelang als Vorstandschef angeführt und frequentiert öffentlich vertreten hat, kündigte jüngst seinen Rücktritt an. Sein im nächsten Jahr auslaufender Vertrag werde nicht verlängert, erklärte er auf der letzten E.ON-Hauptversammlung in Essen. Bernotat war in der Öffentlichkeit zwar weitgehend unbeliebt, da er oft unbequeme und unpopuläre Positionen vehement vertrat, kann aber durchaus auf eine geschäftlich sehr erfolgreiche Zeit bei E.ON zurückblicken. Die Bilanz wurde zwar durch die Krise etwas geschmälert, trotzdem sieht Bernotat aber nun den richtigen Augenblick gekommen, um den Konzern gut aufgestellt an seinen Nachfolger zu übergeben.
Dieser Nachfolger steht zwar offiziell noch nicht fest, aber die Entscheidung ist hinter den Kulissen längst gefallen. Seit geraumer Zeit wurde die Nummer zwei des Unternehmens, Johannes Teyssen, an diese Aufgabe herangeführt und wird sie nun auch übernehmen: Er leitet seit einigen Jahren das operative Geschäft von E.ON, während Bernotat sich mehr und mehr auf die Öffentlichkeitsarbeit beschränkte. Nun wird Teyssen also ab nächstem Jahr den Platz auf dem Chefsessel übernehmen – ein merklicher Wechsel des Führungsstils ist aber angesichts der jahrelangen harmonischen Zusammenarbeit mit Bernotat kaum zu erwarten. Lediglich der strukturelle Umbau des Konzerns dürfte weiter vorangetrieben werden.

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