Die Energie der Wüste

Juni 17th 2009 10:12 am

Die Idee ist sinnvoll und der Nutzen liegt auf der Hand – trotzdem scheiterte ein Solarkraft-Projekt in der afrikanischen Wüste bislang an den hohen finanziellen und technischen Ansprüchen. Mit “Desertec” soll sich das nun endlich ändern und Europa von der Energie des Sonnengürtels profitieren.
Am 13. Juli 2009 ist die offizielle Geburtsstunde von Desertec geplant – zu diesem Tag hat die Münchner Rück, die sich an die Spitze der Bewegung gesetzt hat, zu einem Treffen in die bayrische Landeshauptstadt geladen. Erscheinen werden aller Voraussicht nach zahlreiche Vertreter aus nationaler und internationaler Politik und Wirtschaft. Politiker aus Deutschland, Italien, Spanien, der EU sowie einigen nordafrikanischen Staaten haben ihr Erscheinen angekündigt, um den Rahmen für das Projekt aufzustellen. Zu den Herausforderungen für sie gehört es zunächst, die möglichen Investoren von der Sicherheit des Projekts zu überzeugen – und das in mehrfacher Hinsicht: Einerseits muss die generelle Sicherung der Anlagen gewährleistet sein, die nicht wenige angesichts der politisch oft instabilen Lage in Nordafrika anzweifeln. Andererseits muss zumindest für die erste Zeit nach Fertigstellung des Solarthermie-Megakraftwerks die Wirtschaftlichkeit und Rentabilität abgesichert werden, beispielsweise durch Subventionen oder Abnahmegarantien. Der Münchner-Rück-Vorstand Jeworrek betont aber gegenüber der “SZ”, dies solle nur für die Anfangszeit gelten. “In 10 bis 15 Jahren wird Desertec wettbewerbsfähig sein”, so seine Prognose. Dann würde es rund 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken können.

Wirtschaft zeigt sich interessiert

Um diese ehrgeizigen Ziele erreichen zu können, bedarf es nun nicht nur der Unterstützung der Politik. Auch und vor allem die Wirtschaft muss für die Umsetzung des Projekts Sorge tragen. Derzeit ist ein Konsortium in Planung, zu dem 20 deutsche Konzerne gehören sollen, mit denen momentan noch Gespräche geführt werden. Außer den beiden größten deutschen Energiekonzernen E.ON und RWE sind auch Siemens als Technologiepartner und die Deutsche Bank als einer der Hauptfinanzierer angedacht. Beide bestätigten die Gespräche und machten ihr Interesse an Desertec deutlich. Jedoch sei trotz dieses Interesses “noch kein Vertrag unterschrieben” und infolgedessen noch keine Beteiligung gesichert, erklärte ein Sprecher des Geldinstituts.
Des Weiteren kann die Deutsche Bank das 400 Mrd. Euro schwere Projekt ebensowenig allein finanzieren wie Siemens allein die Technologie liefen kann. Die Unterstützung weiterer großer Unternehmen und Investoren wird mit Sicherheit nötig sein, um Desertec eine komplikationsfreie Geburtsstunden zu ermöglichen. Sollte dies und ein erfolgreicher Aufbau und Betrieb der Anlage tatsächlich gelingen, wäre es für die regenerativen Energien und für die umweltfreundliche Stromversorgung ein wahrer Meilenstein. Es bleibt daher zu hoffen, dass sich letztendlich genügend Investoren und Unterstützer finden, um Desertec Realität werden zu lassen.

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