RWE und Vattenfall expandieren in die Niederlande

Juni 23rd 2009 12:54 pm

Die EU-Wettbewerbskommission hat ihre Genehmigung für die Übernahme zweier großer Energieversorger aus den Niederlanden erteilt. Während RWE sich den dortigen Branchenprimus Essent einverleibt, schluckt Vattenfall den Anbieter Nuon. In beiden Fällen sorgte die EU jedoch dafür, dass das jeweilige Deutschland-Geschäft nicht mit übernommen werden kann.
Beide Energieriesen feilschten bereits seit Monaten unabhängig voneinander mit den Eigentümern und Gesellschaftern der anvisierten Unternehmen. RWE musste zahlreiche Kommunen, Regionalparlamente und die niederländische Regierung von dem Geschäft überzeugen und diverse Kompromisse eingehen. So wird unter anderem die Netzgesellschaft von Essent abgespalten, wodurch die Deutschen die Strom- und Gasnetze des Versorgers nicht übernehmen können. Auch das Entsorgungsgeschäft der Niederländer ist nicht Teil des 9,3 Mrd. Euro schweren Deals. Sehr viel wichtiger für die deutschen Verbraucher war jedoch die Frage, was mit dem Deutschland-Geschäft von Essent geschehen würde. Der Konzern ist mit über 50 Prozent an dem Bremer Versorger swb, den ehemaligen Stadtwerken, beteiligt und beliefert darüber hinaus zahlreiche gewerbliche Kunden. Da die EU-Kommission von Anfang an Bedenken an der Übernahme der swb AG durch RWE äußerte und die Folgen für den innerdeutschen Wettbewerb als kritisch einstufte, entschieden sich RWE und Essent dazu, die Bremer abzustoßen. Essent hat nach Informationen des “Handelsblatts” bereits mit der Abwicklung des Verkaufs seiner Anteile begonnen. In der Folge ließ die Brüsseler Kommission in Gestalt ihrer Vorsitzenden Neelie Kroes ihre Zustimmung an dem Deal erkennen, da die Bedenken bezüglich einer Schwächung des Wettbewerbs weitestgehend ausgeräumt worden seien. Wie die Zeitung weiter erfahren hat, wird die Genehmigung wohl unter weiteren kleineren Auflagen heute erfolgen.

Nuon Deutschland abgeschirmt

Ähnliche Hindernisse musste Vattenfall bei der Akquisition der Niederländer von Nuon, die sich der schwedische Staatskonzern rund 10 Mrd. Euro kosten lässt, überwinden. Auch wenn der Großteil des Kundenstamms von Nuon in den Benelux-Staaten zu finden ist, konnte sich der Anbieter während der letzten Jahre doch in Deutschland in einigen Regionen rasant ausbreiten und wurde zu einem der erfolgreichsten Newcomer auf dem Markt. Vor allem in Hamburg und Berlin machte Nuon dem dortigen Spitzenreiter Vattenfall jeweils merkliche Konkurrenz und konnte so bereits 300.000 deutsche Kunden anlocken. Durch den geplanten Deal hätte Vattenfall nun einen perspektivreichen Wettbewerber aus dem Rennen geworfen und seine Vormachtstellung in den beiden Regionen wieder verstärkt. Das sahen nicht nur die deutschen Nuon-Kunden und Verbraucherverbände kritisch, sondern auch die EU. Analog zu dem RWE-Geschäft verordnete sie der Übernahme eine Diät und machte einer Genehmigung zur Bedingung, dass die deutsche Nuon-Tochter nicht mit übernommen wird. Damit sank zwar die allgemeine Attraktivität des Deals für Vattenfall – aber auf der anderen Seite sind die restlichen 2,7 Millionen Kunden in Belgien und den Niederlanden immer noch der Großteil des Nuon-Geschäfts. Zahlenmäßig stellt diese Bedingung also nicht unbedingt einen riesigen Verlust für Vattenfall dar. Deswegen stimmten die Schweden der Bedingung der EU-Kommission ebenso wie RWE zu, um die Übernahme überhaupt durchführen zu können.

Stärkung des deutschen Wettbewerbs

Für den Wettbewerb auf dem Energiemarkt innerhalb unserer Grenzen sind die Entscheidungen von Kroes und der Kommission sicherlich eine deutliche Erleichterung. Durch die “Rettung” von Nuon und der swb AG vor den Fängen der Energieriesen kann die Entwicklung eines vielfältigen, offenen Marktes weiter voranschreiten, anstatt von der Macht der großen Vier immer wieder gebremst zu werden. Jedoch steigt diese Machtstellung auf ganz Europa bezogen durch die Akquisitionen nun trotzdem merklich an. Denn durch den Kauf großer Teile zweier großer und wichtiger Spieler auf dem niederländischen Energiemarkt erfährt der dortige Wettbewerb sicherlich einen spürbaren Dämpfer. Zwar haben Regierungen und EU für eine Abmilderung der Konsequenzen für den Markt gesorgt und ebenso sind Übernahmen generell ein normaler Bestandteil der Wirtschaft. Trotzdem beherrschen die beiden Großkonzerne RWE und Vattenfall dank der Expansion in die Benelux-Staaten wieder einmal ein Stück mehr des mitteleuropäischen Energiemarktes. Die Wettbewerbshüter der EU-Staaten sind also gut damit beraten, auch in Zukunft ein wachsames Auge auf die Aktivitäten der großen Spieler und ehemaligen Oligopolisten zu haben.

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